Es ist schon wieder eine Woche vergangen, seit ich nach einer dreiwöchigen Tour durch Namibia meine Familie wieder zum Flughafen brachte. Diese Zeit war so voll und scheinbar auch übervoll, sodass mein Körper mich einfach flach gelegt hat und ich nun mit einer Erkältung im Bett liege – die perfekte Chance für mich die letzten Wochen (virtuell) auf Papier zu bringen.
Nachdem meine Familie schon eine Woche hier auf Krumhuk war, ich jedoch noch arbeiten musste, war am Samstag, den 2. Juli, dann auch für mich Urlaub angesagt. Ich hatte schon einige Zeit vorher mit einem Bekannten hier eine Tour für uns zusammengestellt, die wir einfach abfahren wollten. Mit meinem Drang zur Spontanität, aber auch dem Wissen um den Ansturm bei manchen Übernachtungsmöglichkeiten buchte ich nur 4 Übernachtungen vor. Die Quittung dafür bekamen wir gleich am ersten Abend in der Kalahari, da unser dortiges Ziel wegen der noch nicht begonnen Saison noch nicht offen hatte. Wir fanden Unterkunft auf einer Guestfarm, wo wir unserem ersten Spektakel der Tiere beiwohnen konnten. Gigantische Schwärme von Blutschnabelwebern machten auf ihrer Reise Richtung Okavango Delta bei unserer Unterkunft halt. Diese nur etwa acht Zentimeter großen Vögelchen sind die zahlenmäßig größte Vogelart auf unserem Planeten und ihr Flugformation erinnert an riesige Fischschwärme in der Luft.
Auch der nächste Tag hielt eine Überraschung für uns bereit: Unsere Unterkunft war Teil des Chitafunds Namibia und so hatten wir die Chance bei der Fütterung der schnellsten Landtiere der Welt nur zwei Meter vor den Katzen im Gehege zu stehen. Auch wenn es mich sehr an einen Zoo erinnert hat, war es doch ein Erlebnis diese sonst so scheuen Jäger, die ich von Krumhuk kannte, einmal aus der Nähe zu sehen.
Die beiden folgenden Tage verbrachten wir in Ai-Ais, am Ende des Fishriver-Canyons. Dort wurde mir bewusst, dass ich den zweitgrößten Canyon der Welt einmal ganz durchwandern möchte, wozu uns bei unserer Riese leider die Zeit gefehlt hat. Nach den nächtlichen Minusgraden der letzten Wochen war es hier am beinahe südlichsten Punkt Namibias mit um die 8 °C nachts doch erstaunlich warm. Hinzu kam, dass es in Ai-Ais heiße Thermalquellen gibt, weshalb Marlo (mein Bruder) und ich erst einmal eine Stunde der ersten Nacht in einem Außenbecken mit dem Betrachten der Sterne verbracht haben.
Unsere Route führte uns am Oranje entlang, Richtung Küste und dann ins Landesinnere nach Aus. Fahrerisch war dies der allerschönste Teil unserer Reise, da die Straße sich durch die am Oranje angrenzenden Berge schlängelt und immer wieder zu diesen zurück führt. In Aus blieben wir zwei Nächte in einem um einen Felsen gebautes Hüttchen am Rande eines Berges. Der Ausblick in die Ebene war gigantische und ein Strauß kam von Zeit zu Zeit vorbeigewandert. Da es abends und nachts draußen stürmte, braaiten wir auf dem Kamin, was dem Ganzen noch mehr Gemütlichkeit verlieh.
Unser nächstes Ziel war Sosusvlei, wo wir wieder zwei Nächte verbrachten und Marlos Magen das erste mal gegen das namibische Essen oder das Wasser rebellierte und er somit leider die Dünen und das Wasser dort verpasste.
Bei der nächsten Station in den Naukluftbergen war er zwar wieder fit, hatte sein Problem jedoch an Chiara weitergegeben. Somit musste immer einer bei ihr bleiben, während der Rest in dieser so gegensätzlichen Landschaft wandern gehen konnte. Teilweise speichern die Berge so viel Wasser, dass die Bachläufe hier
das ganze Jahr über Wasser führen und somit ein immergrünes Kontrastprogramm zur umgebenden Wüste liefern. Wie schon im Fishriver-Canyon hat mich die Landschaft so in ihren Bann gezogen, dass ich für eine längere Wanderung durch diese Berge und Täler noch einmal dorthin zurückkehren möchte.
Das nächste Ziel war das Gecko Camp in einem Teil der Namibnaukluftebene am Fuße des Spretshochtkepasses. Da der 15. Juli immer näher rückte und somit auch der Bewerbungsschluss der meisten Unis, widmete ich meine Zeit dort vor allem den Bewerbungen, während Marlo und Dad einen Teil der umliegenden Berge erkundeten. Mum musste leider bei Chiara bleiben, da diese noch immer nicht wieder richtig fit war. Die Sonnenuntergänge dort sind im übrigen mit die Schönsten, die ich je in meinem Leben gesehen habe.
Der Nächste Stopp unserer Reise war dann Swakopmund. Zuvor jedoch trafen wir uns noch mit Carina (eine der Babyfängerinnen) und ihrem Freund in Walfish Bay zum Kaffee am Meer. Nachdem wir bisher doch eher frühlings oder Herbstgefühle hatten, war bei 30 °C nun endlich Sommerurlaub (im namibischen Winter) angesagt. Das Haus von Kine & Ulf, in das wir in Swakop zogen, hat eine perfekt Lage. Mitten in der Stadt, 20 Meter vom Meer entfernt hätten wir es nicht besser treffen können. Nachdem wir nun für über eine Woche durch trockenes Land gefahren waren, genossen alle sichtlich das Wasser und das Meer. Auch kulinarisch bot Swakop mit zwei exzellenten Fischrestaurants direkt am Bzw. über dem Wasser eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Angebot an Wild. Wir unternahmen die gleiche Paddeltour zu den Robbenkolonien, die ich schon im Sommer hier gemacht habe. Dieses Mal waren die Vögel wegen der starken Regenzeit
noch in der gefluteten Etoschapfanne, dafür sahen wir aber massenweise Delfine und Bottlenosed Dolfines (ich weiß leider nicht den deutschen Namen). Am Ende gingen Marlo und ich noch mit den Robben schwimmen, was ein unglaubliches Erlebnis war. Auch wenn diese Tiere, vor allem die Jungen, unglaublich verspielt und zutraulich sind, blieben sie doch immer respektvoll auf Abstand. Wenn wir begannen zu schwimmen, schwammen sie mit uns, sprangen rechts, links und zwischen uns durch. Sie kamen auf uns zugeschossen, nur um dann im letzten Augenblick zu drehen und uns nass zu machen – ein unglaubliches Erlebnis.
Nach drei Tagen am Meer ging unsere Reise weiter, zurück ins Landesinnere, ins Damaraland. Diesen Teil des Landes hatte ich bereits mit Sara bereist, war mir aber zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass ich meine Familie auch dorthin bringen wollte. Die ersten beiden Nächte verbrachten wir an der Spitzkopp, einer großen Felsformation mitten in hügeliger Grassavanne. Eine Landschaft von atemberaubender Schönheit, die zum Klettern und laufen nur so einlud. Bei meinem nächsten Aufenthalt hier in Namibia würde ich gerne einmal auf die Spitzte der großen Spitzkoppe klettern: eine Tagestour für die man viele Meter Seil, Ausrüstung und Begleiter braucht.
Nach einer weiteren Nacht auf einem Campingplatz weiter nördlich im Damaraland, erreichten wir Tags darauf eine Lodge 25 km außerhalb des Etoscha Nationalparks. Da diese uns alle ansprach und wir es genossen auf guten Matratzen zu schlafen und super lecker bekocht zu werden, blieben wir dort 2 Nächte, während wir tagsüber den Etoschapark besuchten.
Dieser Park hat meines Wissens eine weltweite Einzigartigkeit: Da hier seit über 150 Jahren kein Wild mehr geschossen wurde, vor allem nicht vom Auto heraus, haben die Tiere ihre Scheu gegenüber diesen verloren und sehen sie nun als eine Art lärmende Tiere an. Nur auf diese Weise kann es passieren, dass plötzlich 2 Meter vom Auto entfernt Elefanten, Giraffen, Zebras und viele weitere Tiere stehen. So kam es mehr als einmal vor
, dass wir plötzlich in einer mehrere hundert Tiere starken Herde von Springböcken, Orix oder Zebras standen und erst einmal warten mussten, bis diese vorbeigezogen waren. Ein anderes Mal standen wir über 2 Sunden an einem Wasserloch, dass von einem 14-köpfigen Rudel Löwen besetzt war. Sie ließen keines der vielen anderen Tiere an das Wasser heran und jagten jedes, das sich zu nah heranwagte. So kamen mehrere Zebra- und Spingbockherden während der 2 Stunden vorbei, um dann doch durstig wieder abzuziehen.
Auf unserem Weg zurück nach Windhoek blieben wir noch eine Nacht am Waterberg, wo meine Eltern und Chi einen Gamedrive machten während Marlo und ich auf den kleinen Waterberg stiegen. Wir hatten zu viel Zeit im Auto verbracht und auch schon genügend Tiere gesehen, als dass wir uns freiwillig wieder in eines setzten wollten, wenn es eine Alternative gab.
Die Letzten beiden Nächte verbrachten wir wieder auf Krumhuk und ich war überrascht über das “nach-Hause-kommen-Gefühl, das ich empfand als wir erst Windhoek und dann die Farm erreichten.
Nach einer gigantischen Zeit mit meiner Familie fiel es mir schwer, diese wieder gehen zu lassen, aber am nächsten Tag war ich schon wieder in meiner täglichen Routine am ATC. Es ist wirklich komisch, wie schnell man sich wieder an die Familie gewöhnt, aber auch gut wieder ohne sie auskommt.